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Kompletter Artikel “Überblick Söngvakeppni 2016”
Söngvakeppnin 2016 - das erste Highlight des Jahres ! 30 Jahre Island im Eurovision Song Contest … und es wurde auch ein Fest für alle Fans der Schönsten Stimme Islands :o)
29.02.2016
2016 möchte ich mit meiner persönlichen Zusammenfassung der isländischen Vorentscheidung zu Eurovision Song Contest beginnen. Wie jedes Jahr bot der Veranstalter eine großartige Show, die für mich seit Jahren das erste und wichtigste Highlight der ESC-Saison ist. Es ist immer wieder eine Riesenfreude zu sehen, welchen Stellenwert dieser Wettbewerb beim verantwortlichen Sender RÚV, den teilnehmenden Künstler, aber auch bei der isländischen Bevölkerung hat.  Diese schon fast landesweite Begeisterung würde ich mir auch hier in Deutschland wünschen. Und nicht nur in diesem Zusammenhang könnten die Deutschen sehr viel von dem kleinen Volk der Isländern lernen… Diese Jahr stand der Wettbewerb zusätzlich noch unter einem ganz besonderen Stern. Es war das 30. Jubiläum der ersten Teilnahme des Inselstaates beim Eurovision Song Contest. 1986 trat die Gruppe Icy mit dem Song “Gleðibankinn” erstmals für Island an. In Bergen, Norwegen, erreichten sie mit 19 Punkten den 16 Platz bei 20 Teilnehmern. Kein überwältigender Erfolg, aber der Beginn eines überaus erfolgreichen TV- Events des isländischen Fernsehens, welches seitdem Jahr für Jahr erstaunlich hohe Einschaltquoten erreicht und landesweit bei unzähligen ESC-Partys für Spaß und gute Laune sorgt. Nebenbei, der absolute Quotenrekord wurde am 16. Mai 2009 erzielt:   Damals sahen mehr als 215.000 oder anders gesagt unglaubliche 92% der möglichen Zuschauer Yohannas grandiosen Auftritt mit der Ballade “Is It True?” live in Moskau und freuten sich über ihren hervorragenden 2. Platz - bis heute die beste Zuschauerquote,die in Island je erreicht wurde! Island nahm in den vergangenen 30 Jahren insgesamt 28 mal beim ESC teil. Lediglich 1998 und 2002 setzten die Isländer aus und das nicht freiwillig! Man hatte sich schlicht wegen des Vorjahres- ergebnisses nicht qualifiziert.  Beste Platzierungen waren 2009 (Yohanna!) und 1999 (Selma mit “All out of luck”) jeweils die zweiten Plätze.  Dabei erzielte Yohanna mit 218 Punkten auch das mit Abstand beste Einzelergebnis. Zusammen mit Yohannas souveränen Halbfinalsieg (12.Mai 2009, 174 Punkte) ist dies zweifellos das beste Ergebnis für Island in der Geschichte des Eurovision Song Contests. Aber nun zum Söngvakeppninn 2016: Für den Wettbewerb wurden insgesamt 260 Songs eingereicht, erstaunlich viel für ein kleines Land wie Island.  Am 11.Dezember 2015 gab RÚV die 12 Titel bekannt, welche von einer Kommision des Senders ausgewählt worden waren, sich im Söngvakeppninn 2016 zu messen.  Zwei Halbfinale mit je sechs der Songs wurden auf den 6. und 13. Februar 2016 terminiert. Die drei jeweils nach Televoting und Jury-Entscheidung besten Songs sollten das Finale am 20. Februar 2016 erreichen. In den beiden Halbfinalen musste laut Regeln des Veranstalters auf Isländisch gesungen werden, im Finale dagegen stand es den Teilnehmern frei, in welcher Sprache gesungen werden sollte. Daher würde es wieder spannend werden, welche der Songs in Finale in englischer Sprache, welche in der isländischen Version dem Publikum präsentiert werden würden.
Tätigkeitsbericht 08/09 RÚV Seite 38
Hljómsveitin Eva Ingólfur Þórarinsson Greta Salóme Stefánsdóttir Erna Hrönn Ólafsdóttir & Hjörtur Traustason Karlotta Sigurðardóttir Sigríður Eyrún Friðriksdóttir
6. Februar 2016: Das erste Halbfinale       
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Im ersten der beiden Semifinale wurden folgende sechs Titel dem Publikum in der ausverkauften Reykjavíker Laugardalshöll vorgestellt:     Hljómsveitin Eva - “Ég sé þig”              Ingólfur Þórarinsson - “Fátækur námsmaður”  Erna Hrönn Ólafsdóttir & Hjörtur Traustason - “Hugur minn er” Sigríður Eyrún Friðriksdóttir -“Kreisí” Karlotta Sigurðardóttir - “Óstöðvandi” Greta Salóme Stefánsdóttir - “Raddirnar” Diese Songs wurden vorab - wie jedes Jahr - auf der Webseite des Senders vorgestellt. Und ich war begeistert, besonders von zwei der sechs Titel. Daher möchte ich hier meine beiden Highlights des ersten Semifinale kurz vorstellen:  Greta Salóme Stefánsdóttir - "Raddirnar": Ein wirklich toller Song und eine unbestreitbar großartige Künstlerin. Musik, Text und Gesang, einfach alles von “The Great” Greta Salóme selbst - sie ist einfach ein musikalisches Genie, welches mich immer wieder aufs neue in Erstaunen versetzt. Einen weiteren, eher taktischen Pluspunkt kann Greta Salóme für sich verbuchen. Sie sang 2012 beim ESC in Baku zusammen mit Jónsi den isländischen Beitrag “Never Forget”. Auch dieser Song stammte aus der Feder der Isländerin. Island qualifizierte sich zwar locker für das große Finale am 22. Mai 2012. Dort wurde der großartige Auftritt der beiden Isländer aber leider völlig zu Unrecht stark unterbewertet. Anstelle eines verdienten  Platzes unter den ersten Fünf, erreichte sie mit 46 Punkten lediglich Rang 20. Hab ich damals nicht verstanden … Dass dies nicht nur meine Meinung ist und dass sie dennoch die Herzen der Zuschauer erreicht hatte, zeigt sich an der großen Fangemeinde in der internationalen ESC-Community. So war "Raddirnar" in vielen Internet-Foren der absolute Favorit bei den meisten nicht-isländischen Söngvkeppninn-Fans. Und dies ist bei der Punktevergabe in Stockholm im Mai nun sicherlich  kein Nachteil.  Aber nicht nur ihre beiden Beiträge zum Söngvakeppninn 2012 “Never forget” bzw. isländisch “Mundu eftir mer” und “Aldrei sleppir mér” machten mich zu einem Bewunderer dieser unglaublich talentierten Violinistin, Komponistin, Texterin und Sängerin. Auch ihr im November 2012 erschienenes Album “In the Silence” zeugt von Greta Salómes großen musikalischen Fähigkeiten. Karlotta Sigurðardóttir - "Óstöðvandi": Seit dem allerersten Anhören ist dieser geniale Song ständig in meinem Hirn, er hat sich quasi “eingebrannt” - und ich liebe es. Karlotta ist eine eher (noch) unbekannte, erst 18 Jahre alte Sängerin aus Reykjavík, aber  mit sehr großem Potential und das nicht nur auf dem isländischen Markt. Karlotta hat eine wunderschöne, sehr markante, ja gleichwohl unver- wechselbare Stimme. Und sie singt "Óstöðvandi" auf ihre eigene, ganz besondere, sehr selbstbewusste, unglaublich  faszinierende Weise. Einfach nur toll!  Daher meine unmassgebliche Meinung: Für mich ist und bleibt "Óstöðvandi" der beste Song des Söngvakeppninn 2016. Meine “12 Punkte” gehen eindeutig an Karlotta!  Ich denke, "Óstöðvandi" wäre PERFEKT, um ein sehr gutes Ergebnis mit vielen Punkten für Island im Mai in Stockholm zu erreichen ... Aber die Entscheidung, welche drei Songs am 20.Februar in Finale kommen würden, hatten natürlich die isländischen Televoter und eine kompetent besetzte Jury. Nacheinander stellten sich die Künstler in einem kurzen Einspieler vor um dann live auf der großen, aufwendigen Bühne der Laugardalshöll ihr Bestes zu geben. Und diese Chance nahmen alle in großartiger Weise wahr, aber leider gab es nur 3 Finalistenplätze. Letztlich musste eine Wahl getroffen werden … Die Zeit zwischen dem letzten Beitrag und der Bekanntgabe der 3 Final- isten wurde wie immer mit Einspielern, Interviews und einem ab- wechslungsreichen Zwischenprogramm überbrückt. Besonders Islands ESC-Teilnehmer von 1997 Paul Oscar, in Island Páll Óskar begeisterte das Publikum in der Halle und vor den Fernsehern mit dem neuen Geburtstag- song “Vinnum þetta fyrirfram”. Natürlich war es ein wie immer etwas schriller Auftritt der isländischen ESC-Ikone. Páll Óskar ist nicht nur in dieser Hinsicht einfach unnachahmlich… :o) Dann begann die Spannung zu steigen. Die beiden Moderatorinnen Ragnhildur Steinunn Jónsdóttir und Guðrún Dís Emilsdóttir traten mit den drei Umschlägen auf die Bühne. In sehr charmanter Weise verzögerten sie wie gewohnt die Bekanntgabe der Gewinner des Abends. Die Erwartung der Teilnehmer wurde größer und größer, wie Aufnahmen aus dem Green Room zeigten. Nun endlich wurden die Umschläge geöffnet und nach und nach die Finalteinehmer auf die Bühne geholt. Greta Salóme Stefánsdóttir (”Raddirnar”), Karlotta Sigurðardóttir (”Óstöðvandi”) und Erna Hrönn Ólafsdóttir & Hjörtur Traustason mit “Hugur minn er” waren die glücklichen Gewinner des Abends und sollten 14 Tage später die Chance bekommen, um das Ticket zum Eurovision Song Contest 2016 zu singen. Wie ich meine, eine gute und gerechte Auswahl …
Alda Dís Arnardóttir Elísabet Ormslev Þórdís Birna Borgarsdóttir & Guðmundur Snorri Sigurðarson Pálmi Gunnarsson Helgi Valur Ásgeirsson Erna Mist & Magnús Thorlacius
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13. Februar 2016: Das zweite Halbfinale       
Im zweiten Semifinale wurden wiederum sechs Titel dem Publikum in der Laugardalshöll und zuhause vor den TV-Geräten zur Auswahl gestellt:     Alda Dís Arnardóttir - “Augnablik”              Elísabet Ormslev - “Á ný”  Pálmi Gunnarsson - “Ég leiði þig heim” Erna Mist & Magnús Thorlacius -“Ótöluð orð” Helgi Valur Ásgeirsson - “Óvær” Þórdís Birna Borgarsdóttir & Guðmundur Snorri Sigurðarson - “Spring yfir heiminn” Natürlich konnte man sich diese Titel ebenso wie die sechs Beitrage des 1. Semifinales im Internet anhören. Bis auf eine Ausnahme war es in dieser Runde allerdings etwas schwerer für mich, die Begeisterung der ersten Runde wiederzufinden. Es ist logischerweise mein eigenes, sehr subjektives Empfinden, aber es erschien mir, als wenn die musikalische Qualität diesmal etwas niedriger wäre. Lediglich “Á ný”, gesungen von Elísabet Ormslev, überzeugte mich auf Anhieb. Gut, wenn auch nicht überragend für mich war dann vielleicht noch Alda Dís Arnardóttir mit “Augnablik”. Die anderen vier Songs gaben mir wenig. Aber wie zur Verdeutlichung der Subjektivität meiner Meinung war gerade “Augnablik” einer der am höchsten gehandelten Favoriten des Wettbewerbes bei den Isländern. So kann’s gehen, es war halt meine persönliche und unmaßgebliche Einschätzung … Mein daher einziges verbleibendes Highlight des zweiten Semifinales möchte ich hier, wie schon oben beim ersten Halbfinale, kurz vorstellen: Elísabet Ormslev - "Á ný": Elísabet ist eine großartige, hoch talentierte Sängerin mit einer wundervollen, klaren Stimme. Diese Stimme unterstreicht den mythischen Touch des Songs auf faszinierende, ja geradezu magische Weise. Gepaart mit dem unverwechselbaren, einzigartigen Klang der isländischen Sprache ergibt sich ein echtes musikalisches Kunstwerk, das mir sofort gefallen hat. Leider befürchtete ich, dass ein großer Teil dieser Magie bei einer möglichen englischen Version verloren gehen würde. Siehe "Mundu eftir mér” bzw. “Never forget" von Greta Salóme und Jonsi beim Songcontest 2012 in Baku. Wie schon erwähnt wurde auch dieser Song von der "einzigartigen" Greta Salóme Stefánsdóttir komponiert und getextet, was man auch unzweifelhaft hören kann! Und allein dies ist ein eindeutiges Merkmal herausragender künstlerischer Qualität. Zu mindestens für mich... Übrigens, wie ich aus Yohannas Facebook-Postings an diesem Abend entnehmen konnte, war “Á ný” auch der eindeutige Favorit der erfolgreichsten ESC-Teilnehmerin Islands - auch das mit Sicherheit ein gutes Zeichen! Trotz der etwas eingeschränkten Erwartung meinerseits produzierte RÚV wie gewohnt eine sehr gelungene Show. Der Ablauf war der gleiche wie eine Woche vorher und nach den sechs Beiträgen bot der Sender einiges auf um die Wartezeit auf das Ergebnis zu überbrücken. So sang Högni Egilsson , vor allem bekannt durch GusGus und Hjaltalín, seine Version von Selma Björnsdóttirs ESC-Beitrag von 1999 “All Out of Luck”, mit dem Selma wie Yohanna 10 Jahre später, einen verdienten zweiten Platz erreichte. Gemeinsam mit der großartigen Sängerin Glowie (Sara Dögg Pétursdóttir) machte er aus diesem Song ein geradezu Gänsehaut erzeugendes musikalisches Meisterwerk. Dann aber folgte ein kleiner Einspieler, der mich als großer Fan von Yohanna ebenso überraschte, wie er mich erfreute. Ich kann fast sagen, es folgten die für mich schönsten 2 Minuten der Show! Ich bin halt ein unheilbarer Fan der Schönsten Stimme Islands, Jóhanna Guðrún Jónsdóttir. Dieses kurze Video entpuppte sich als wahre Liebeserklärung der Isländer an Yohannas wunder- schöne Ballade “Is it true?”, einem meiner vielen Lieblingslieder von der für mich besten Sängerin des kleinen Inselstaates im Nordatlantik. In fröhlichen Bildern wurde eigentlich nur dargelegt, dass dieser Song auch heute, mehr als sechs Jahre nach Yohannas Riesenerfolg in Moskau, alle Schichten und Altersgruppen bei Yohannas populären Song mitsingen lässt (und dass sie es können!), wenn sie das Lied bei welcher Gelegenheit auch immer hören. Zugegeben, nichts besonderes. Aber das größte Geschenk für alle Fans war die viel zu kurze Szene am Schluss des Videos! Jóhanna Guðrún als glückliche, strahlende und stolze Mutter mit ihrer süßen Tochter! Ganz nebenbei war dies die Fernsehpremiere der kleinen Margrét Lilja Davíðsdóttir. Wirklich ein wunderbares Bild … Hinweis: Um zu verhindern, dass dieses Kleinod verloren geht, sobald die Aufzeichnung der Sendung nicht mehr online verfügbar ist, habe ich mich entschlossen diesen Ausschnitt auf meinen YouTube- Kanal “Videos by Yohanna.de” hochzuladen. Du findest ihn > H I E R < …  In welch guter Erinnerung Yohanna mit “Is it true?” bei den Isländern ist, zeigt auch eine Online- Abstimmung des offiziellen ESC-Fanclubs “FÁSES”, die dieser anlässlich des Jubiläums veranstaltete. Yohannas Beitrag wurde sowohl zum besten Song in der nun 30-jährigen Geschichte des Söngvakeppninn als auch zum beliebtesten isländischen Beitrag zum Eurovision Song Contest aller Zeiten gewählt. Diesem Ergebnis kann ich nur zustimmen und Yohanna hat allen Grund stolz auf ihren Erfolg zu sein.   Aber nun zurück zum zweiten Semifinale und der Entscheidung, wen wir am kommenden Samstag im Finale wiedersehen würden. Die Wahl fiel nicht überraschend auf meinen (und Yohannas) Favoriten “Á ný” von Elísabet Ormslev, die isländischen Favoritin  Alda Dís Arnardóttir mit “Augnablik” und den Song “Spring yfir heiminn”, gesungen von Þórdís Birna Borgarsdóttir und  Guðmundur Snorri Sigurðarson. Letztlich doch ein gutes Ergebnis und die Vorfreude auf das alles entscheidende Finale stieg … 
20. Februar 2016: Das Finale - Wer singt für Island?       
Alda Dís Arnardóttir Elísabet Ormslev Greta Salóme Stefánsdóttir Þórdís Birna Borgarsdóttir & Guðmundur Snorri Sigurðarson Karlotta Sigurðardóttir Erna Hrönn Ólafsdóttir & Hjörtur Traustason
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Páll Óskar - “Vinnum þetta fyrirfram”
Páll Óskar auch auf Youtube: >Ansehen< 
Högni Egilsson & Glowie - “All Out of Luck”
 Högni Egilsson & Glowie “All Out of Luck” >Ansehen< 
Zwei bezaubernde, isländische Ladies … :o)
Zwei bezaubernde, isländische Ladies … :o)
Die für viele Fans wichtige Frage war nun auch endlich beantwortet. Fünf der sechs Finalteilnehmer würden ihre Beiträge auf Englisch singen. Einzig und zu meiner persönlichen Erleichterung hat das Team um Elísabet Ormslev herum entschieden, ihren Song “Á ný” in der isländischen Version zu belassen. Wie ich oben schon schrieb, für mich die richtige Auswahl, wäre doch gerade bei diesem Titel ein großer Teil der Magie, wie ich es nennen möchte, verloren gegangen. Ehrlich gesagt, “Á ný” auf Englisch? Kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, das geht gar nicht … Generell möchte ich hier auch mal zu dem alljährlichen “Sprachproblem” der Isländer beim Eurovision Song Contest Stellung nehmen. Wie unzähligen Kommentaren im Internet zu entnehmen ist, wünschen sich zahlreiche Fans aus aller Welt, dass Islands ESC-Beiträge auch auf Isländisch gesungen werden sollten. Das kann ich verstehen und aus meiner Sicht auch unterstützen. Aber ich möchte nicht verschweigen, dass ich es ebenso verstehe, wenn sich isländische Künstler im internationalen Wettbewerb eher auf die Weltsprache Englisch verlassen. Als Fan von Jóhanna Guðrún Jónsdóttir und der isländischen Musik-Szene im Allgemeinen, bin seit Jahren mit der isländischen Sprache mehr oder weniger vertraut. Ja, ich liebe den einzigartigen Klang dieser ursprünglichen Sprache regelrecht und bin auch mittlerweile in der Lage, diese Sprache, wenn auch nur rudimentär, zu verstehen. Daher würde auch ich es begrüßen, wenn alle Songs des Finale auf Isländisch vorgetragen werden müssten. Man sollte allerdings nicht annehmen, dass dies der normale, sich nicht mit Island beschäftigende Fan im Mai genauso sehen wird. Dieser Fan (und damit auch Televoter!) wird kein einziges Wort verstehen, der Sinn des Textes bleibt ihm also gänzlich verschlossen. Außerdem mag es hier und da vorkommen, dass eine Sprache, die man nicht versteht und mit der man möglicherweise erstmals Kontakt hat, sich ein wenig “seltsam” anhört, was die Neigung zur Punktevergabe nicht gerade erhöht. Dieses Phänomen hatte ich auch schon bei so einigen in Landesprache gesungenen Titeln in der Geschichte des ESC. Aber ich denke, das wirst auch Du kennen. Somit ist es für mich mehr als nachvollziehbar, dass fünf der sechs Titel in englischer Version ge- sungen werden. Isländisch ist eine wunderschöne Sprache, Englisch aber ist DIE Sprache, in der sich die Welt verständigt. Und deswegen ist es zur Wahrung der Chancengleichheit sicher sinnvoll, auch den isländischen Beitrag in Stockholm dem internationalen Publikum in der verbreitesten Sprache, dem Englischen zu präsentieren. Natürlich nur, wenn es dem Song nicht zu sehr schadet, wie bei  Elísabet Ormslevs “Á ný”. Aber zum Glück sahen die Verantwortlichen das in diesem Fall genauso …     So, das mußte ich endlich auch mal loswerden. Aber nun zu den sechs Finalisten, fünfmal mit einer neuen, englischen Version ihres isländischen Titels aus den beiden Halbfinalen:   Greta Salóme Stefánsdóttir - “Hear them calling” Erna Hrönn Ólafsdóttir & Hjörtur Traustason - “I promised you then” Karlotta Sigurðardóttir - “Eye of the storm” Þórdís Birna Borgarsdóttir & Guðmundur Snorri Sigurðarson - “Ready to break free” Elísabet Ormslev - “Á ný” Alda Dís Arnardóttir - “Now Das Finale begann, und wie! Direkt als Einstieg ein grandioses Medley aus vielen Songs, mit der Island in den vergangenen 30 Jahren beim Eurovision Song Contest große Erfolge ebenso wie herbe Enttäuschungen erleben durfte. Dieser insgesamt fast 12 Minuten lange Auftakt zeigte ein weiteres Mal, warum der isländische Vorentscheid für mich seit Jahren das erste und auch das wichtigste Event in meiner jährlichen ESC-Saison ist. Fast alle, die diesen Wettbewerb aus isländische Sicht prägten, sangen eine große Auswahl der unvergessenen Beiträge des kleinen Landes zum größten Musikevents in der TV-Welt. Selma, Páll Óskar, Hera Björk, Pollapönk, Greta Salóme und Jónsi, Bó Halldórsson und, und, und - einfach unglaublich welch tolle Künstler Island hervorgebracht hat! Natürlich wäre diese Aufzählung völlig wertlos - aus meiner Sicht als Fan - wenn nicht der wirklich  bezaubernden Anteil von Yohanna bzw. wie immer in Island, Jóhanna Guðrún an diesem Medley hervorgehoben werden würde. So sang sie unter anderem einen kurzen Auschnitt aus ihrer Erfolgsballade “Is it true?” und bewies, dass meine von mir gern gemachte Behauptung “Yohanna - The Most Beautiful Voice of Iceland” offensichtlich zu stimmen scheint …  Wenn Du dieses Medley in voller Länge und in sehr guter HD-Qualität geniessen möchtest, ein kleiner Tipp am Rande: Der Sender RÚV hat dieses Highlight auf seinen YouTube-Kanal hochgeladen - Du findest den wunderschönen Clip  > H I E R < ! Aber dann folgte der wichtigste Teil des Abends! Wer würde heute Abend das Rennen machen und Island beim Eurovision Song Contest 2016 in der schwedischen Hauptstadt Stockholm vertreten? Genau wie in den Semifinalen je ein kurzer Einspieler zur Vorstellung, gefolgt von der Live- Präsentation der Finaltitel. Und wieder machten alle Beteiligten einen hervorragenden Job. So wurde aus diesem Wettbewerb großes Entertainment. Meine drei Favoriten aus den Semifinalen überzeugten mich auch dieses Mal wieder voll und ganz. Elísabet Ormslev sang “Á ný” wie gesagt als einzige auf Isländisch. Ich kann es nicht oft genug betonen, es ist und bleibt die einzig mögliche Version ihres faszinierenden Songs. “Raddirnar” bzw. “Hear them calling” von Greta Salóme hatte vielleicht eine Winzigkeit der Originaltät durch Verwendung der englischen Sprache verloren. Karlotta dagegen hatte mich mit “Eye of the storm” in gleiche Weise wie vorher mit “Óstöðvandi” begeistert - egal ob auf Englisch oder auf Isländisch, ihr Song ist einfach nur klasse und blieb meine erste Wahl des Wettbewerbes … Jetzt gab es nur noch eins: warten auf das erste Ergebnis. Die beiden Ersten sollten die Chance bekommen in einem “Super-Finale” das Ticket nach Schweden zu gewinnen. Der Veranstalter RÚV hatte aber auch für diese Wartezeit ein wirklich großes Zwischenprogramm geplant. Die erste Top-Act darin war niemand geringeres als eine sehr erfolgreiche Teilnehmerin des ESCs:  die Belgierin Sandra Kim, die für ihr Land 1986 mit dem mit dem Song “J’aime la vie” den ersten Platz beim ESC in Bergen, Norwegen erreichte. Sehr passend zum Jubiläum:  Das war  genau der Song Contest, bei  dem die mittlerweile 30-jährige Erfolgsgeschichte beim Eurovision Song Contest mit Icy und “Gleðibankinn” für Island begann. In diesem Zusammenhang möchte ich den im Vergleich zu anderen europäischen TV-Sendern recht kleinen Veranstalter RÚV besonders loben. 3 große Shows zur besten Sendezeit am Samstagabend zu produzieren und dabei keine Kosten (ca. 60.000.000 Isk!) und Mühen (etwa 200 Mitarbeiter!) zu scheuen, um den Fernsehzuschauern ein äußerst unterhaltsames Event zu bieten - Hut ab! Daran sollte sich in Deutschland der verantwortliche Sender NDR mal ein Beispiel nehmen! Aber im Gegen- satz zu Deutschland ist in Island der Eurovision Song Contest ja auch quasi ein “Ereignis von nationalem Interesse” und das zeigte sich auch dieses Mal wieder … Zurück zum Söngvakeppninn 2016, bei dem es nun um die Vergabe der Stimmen ging. Eine Neuerung machte diesen Teil der Sendung zu einer sehr spannenden Prozedur: Durch die Aufteilung in sechs Stimmbezirke und die daraus resultierende Vergabe der Jury-Stimmen in mehreren Schritten war es für die Teilnehmer und auch für die Zuschauer ein Hoffen und Bangen, ein Auf und Ab - Drama pur, fast schon wie beim großen Bruder ESC! Dann stand endgültig fest, welche zwei Titel weiterkamen und wer im  “Superfinale” antreten durfte:  Auch wenn 2 meiner 3 Highlights ausgeschieden waren, wirklich überraschend war das Ergebnis auch für mich nicht. Alda Dís Arnardóttir und Greta Salóme galten bei vielen isländischen und auch internationalen Fans als absolute Top- Favoriten und nun hatte sich diese Einschätzung als richtig erwiesen. Ob Greta Salóme mit “Hear them calling” oder Alda Dís mit “Now” Island beim 61. Eurovision Song Contest vertreten sollte, würde sich nun im folgenden “Superfinale” entscheiden. Wem ich jetzt die Daumen zu drücken hatte, wusste ich… ;o) Der dritte Platz für Karlotta Sigurðardóttir mit “Óstöðvandi” bzw. “Eye of the storm” ist für die sympathische Newcomerin mit Sicherheit ein großer Erfolg und ich hoffe, mehr von ihr in naher Zukunft zu hören. Den letzten Platz von Elísabet Ormslev mit “Á ný” empfand ich als eher ungerecht, aber jemand muss auch diesen undankbaren Platz einnehmen. Und schließlich ist es Platz 6 unter 12 Teilnehmern, was auch diese Platzierung zu einem positiven Endergebnis macht. Nun kam’s darauf an, die Entscheidung des Abends stand bevor! Als erste durfte Greta Salóme ihren Titel “Hear them calling” noch einmal präsentieren. Und auch dieses Mal zeigte die 29-jährige Isländerin ihr ganzes, unglaublich großes Können. Ihr Gesang, die Komposition, die Choreografie, ihr Outfit und auch die tollen Effekte auf der Videowand, die mich ein wenig an den Sieger des letztjährigen ESC erinnerten, machten aus diesem Auftritt eine perfekt gelungene Performance. Schon jetzt für mich die eindeutige Siegerin des Superfinales!  Aber auch Alda Dís gab alles was sie konnte, und auch das ist sehr, sehr viel! Sie ist ebenfalls eine hervorragende Sängerin. Auch fiel mir erst jetzt auf, dass der Song “Now” in der englischen Version besser “herüber” kam als es die isländische Version “Augnablik” tat. Eigentlich eher ungewöhnlich für mich wie ich oben schon schrieb. Aber es beweist nachdrücklich, wie kompliziert es ist, zu ent- scheiden, in welcher Sprache ein Song größere Erfolgsaussichten haben würde. Ein einfaches “Na klar, nur Englisch!” oder “Natürlich auf Isländisch!” ist somit keine Antwort auf die immer wieder- kehrende Frage beim isländischen Söngvakeppninn. Jetzt setzte sich die Spannung fort. Das Televoting lief weiter, die endgültige Entscheidung mussten die Isländer noch treffen. Und wieder machte ein weiterer Höhepunkt der Show auch dieses Warten mehr als erträglich. Loreen, die schwedische Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2012 in Baku sang ihren legendären Siegersong “Euphoria”! Nein, sie sang “Euphoria” nicht nur, sie inszenierte diesen furiosen Song. Obwohl 2012 Greta Salóme & Jónsi mit “Never Forget” meine Favoriten waren, gebe ich gerne zu, dass kaum ein Sieg in der Geschichte des ESC verdienter war, als der Erfolg den Loreen mit “Euphoria” in Baku erzielte. Auch das zeigte dieser sehr gelungene Auftritt der Schwedin.  Schweden ist ein gutes Stichwort, trotz aller Euphorie! Denn eine Wahl musste noch getroffen werden:  “Now” oder “Hear them calling”, welches sollte Islands Lied für Stockholm werden?  Der alles entscheidende Moment rückte immer näher. Links auf der Bühne hatte sich Greta Salóme mit ihrem Team eingefunden, auf der rechten Seite eine leicht angespannte Alda Dís mit ihrer Manschaft. Und dazwischen die beiden Moderatorinnen Ragnhildur Steinunn Jónsdóttir  und Guðrún Dís Emilsdóttir die wie immer sichtlich Freude daran hatten, Islands wohl wichtichsten Umschlag dieses Samstagabends mit der Antwort auf die wichtigste Frage des Abends, möglichst langsam zu öffnen um dann kurz und knapp zu verkünden “Lagið er … - Hear them calling!!!!” Greta Salóme Stefánsdóttir hatte zum zweiten Mal nach 2012 mit “Never forget” den isländischen Vorentscheid für sich und das von ihr komponierte Lied “Hear them calling” entscheiden können. Überwältigt vor Glück schlug sie die Hände vors Gesicht und die körperlich eher zierliche Sängerin wurde von den jubelnden Mitgliedern ihres Teams vor Freude fast erdrückt. Zierlich mag Greta “the Great” ja sein, musikalisch ist sie eine Gigantin. Nicht erst seit diesem zweiten Triumpf beim Söngvakeppninn. Und bitte nicht vergessen, Elísabet Ormslevs wunderschöner Beitrag “Á ný” stammt auch aus der Feder dieser einzigartigen Künstlerin! Also freuen wir uns auf Greta Salómes Auftritt am 10. Mai 2016 im ersten Halbfinale in Stockholm. Ich bin überzeugt, dass die Qualifikation zum Großen Finale am 14. Mai bei der Qualität von “Hear them calling” reine Formsache sein wird. Und im Finale ist dann alles möglich, für mich mit Sicherheit ein guter Platz in den Top Ten, oder vielleicht auch mehr … 
Yohanna -The Most Beautiful Voice of Iceland Yohanna -The Most Beautiful Voice of Iceland Yohanna -The Most Beautiful Voice of Iceland Bild: Screenshot aus der Sendung Sandra Kim, Siegerin für Belgien (1986) Loreen, gewann 2012 für Schweden Islands wichtigster Umschlag des Abends wird geöffnet ... :o) Alda Dís Arnardóttir mit ihrem Team Greta Salóme und ihr Team
Noch ein paar zusätzliche Informationen: Aufzeichnungen der beider Semi-Finale und des Finales hat der Sender RÚV in voller Länge auf seiner Webseite online gestellt. Die Verfügbarkeit ist allerdings begrenzt, das Enddatum ist unten mit angegeben.  Semi-Finale 1 vom 6. Februar 2016 (verfügbar bis zum 6. Mai 2016) Semi-Finale 2 vom 13. Februar 2016 (verfügbar bis zum 13. Mai 2016) Das Finale vom 20. Februar 2016 (verfügbar bis zum 20. Mai 2016) Quellen: Natürlich stammen die meisten hier verwendeten Informationen von der Webseite des Veranstalters RÚV und auch sind die meisten Bilder dieses Artikels Screenshots aus den o.g. Videos. Weitere Quellen waren unter anderem wikipedia Island, wikipedia Deutschland, escstats.com, fases.is  , eurovision.tv und visir.is . Sehr empfehlenswert und hilfreich ist  auch der YouTube-Kanal des Senders.
Autor: Jürgen Rütten - juergen@Yohanna.de
Team Yohanna Germany